„Neues illustriertes Haus- Tierarzneibuch“

Wissen, was schon vor über hundert Jahren existierte und noch heute in Grundzügen bestand hat. Viel Spaß beim Lesen und Nachdenken.

(ohne Erscheinungsjahr, jedoch es gibt einen Bezug zu einer Tabelle von 1881)

Die Zucht und Rassen des Hundes S.657

1) Allgemeines über den Hund, seine körperlichen und geistigen Eigenschaften, seine Dienste, Vorzüge und Nachteile

Es ist anerkannt und bedarf keiner weiteren Beweise, dass der Hund nach dem Menschen die höchste Stufe der Intelligenz einnimmt und da dieses Tier wie kein anderes wahre Zuneigung zum Menschen besitzt und sein Ruhm darin liegt, der vollkommene Sklave des Menschen zu sein, der die Launen seines Herrn versteht und zum Ausdruck bringt, seine Klugheit, seinen Mut, seine Kraft und Geschicklichkeit  ihm zu Füßen legt, in kriechender Unterwürfigkeit und rührender Ergebenheit ihm zu dienen sucht, so kann es nicht Wunder nehmen, wenn der Hund nicht nur Genosse, sondern Freund des Menschen geworden ist.

„Als einst die Treue sich aus dieser Welt verloren

hat sie zu ihrem Sitz des Hundes Herz erkoren.“

Die körperliche Entwicklung des jungen Hundes geht ziemlich rasch. Kleine Rassen sind mit 2-2 ½ Jahren, größere Rassen mit 3 Jahren ausgebildet. Das Durchschnittsalter kann auf ca. 10 Jahre angenommen werden. Die Mehrzahl der Hunde ist jedoch vorher schon greisenhaft, während andere, regelmäßig gehaltene und insbesondere nicht verzärtelte, einfach gefütterte, trainierte, nicht zu fette Tiere 15 – 20 Jahre und mehr alt werden können.

2) Nahrung, Pflege, Dressur

Erwachsene Hunde können mit täglich einmaliger Fütterung bestehen. Dieselbe gibt man abends. Angenehmer für die Hunde ist es, wenn sie die Ration auf zweimal erhalten und zwar morgens Milch mit Semmel  und Brot und abends die größere Menge und kompakter. Eine Suppe aus Wasser, Weizenmehl und Schmalz, oder eine Brotsuppe mit Schmalz und gekochtem Blut ist sehr nahrhaft, dicke Milch, Reste von der Küche können gut sein, öfters aber ist diese Nahrung Hungerkost und der arme Hund zeigt durch seine Magerheit, insbesondere durch sein raues, glanzloses, struppiges Haar, dass Kartoffeln oder gar Kartoffelschalen, die bei seinem kurzen Darm fast wertlos sind, ihn ernähren sollen.

Widrig wirkt auf Fremde ein durch Delikatessen verwöhnter Hund, der nicht einmal mehr Brot frisst, sondern auch zum Beißen zu faul, nur gebratenes, gekochtes Fleisch und Süßigkeiten, vielleicht erst nach langem Zureden, zu sich nimmt. Derartig gehaltene Hunde werden bald fett und faul. Nur im gesunden, trainierten, frischen Körper wohnt eine gesunde, zur Tat bereite Seele, daher gehört Bewegung, frische Luft, Waschen, Baden und Kämmen, mit einfacher kräftiger Kost zusammen. …